Björn folgt dem leuchtenden Schmetterling durch hohen Farn. Die Flügel zittern und tanzen vor ihm her, über knorrige Wurzeln und feuchte Erde. »Warte«, denkt er, und stampft mit den kleinen Pfoten. Der Schmetterling flattert höher, niedriger, immer weiter hinein. Woher kommt dieses seltsame Leuchten? Er muss ihm folgen!
Der Schmetterling verschwindet hinter einer riesigen Buche. Björn duckt sich unter den Ästen hindurch — doch plötzlich ist nichts mehr von dem Weg zu sehen. Er steht allein im schattigen Dickicht. Die Luft riecht nach feuchter Erde. »Mama?« ruft er, und seine Stimme wird ganz leise. Nur die Blätter rauschen und antworten.
Ein Hase mit flauschiger weißer Rute hüpft aus einem Brombeerstrauch. »Klopf-klopf-klopf!« stampft er dreimal mit dem linken Pfoten auf den Boden. Björn lacht laut auf. Der Hase nickt und zeigt mit der Nase auf eine Gruppe blauer Beeren unter einem Stein. »Schau«, scheint er zu sagen.
Björn kauert nieder und probiert eine der Beeren. Sie knirscht leicht zwischen seinen Zähnen und schmeckt süß-sauer. Die Augen leuchten vor Freude. »Danke!« murzelt er, und der Hase wedelt vergnügt mit den langen Ohren. Vielleicht ist der Wald ja doch kein so unheimlicher Ort — ganz im Gegenteil.
»Knack!« Eine braune Walnuss prallt direkt auf Björns Kopf. Er reibt sich die Stirn und sieht auf. Ein Eichhörnchen klettert den Baumstamm hinauf und wedelt mit dem buschigen Schwanz. Es zeigt auf einen versteckten Ast, wo goldgelbe Pilze wachsen, die im schattigen Licht leuchten. Und Björn denkt: Das muss ich sehen!
Björn streckt die Pfote aus und berührt die rissige, trockene Oberfläche eines Pilzes. Das Eichhörnchen raschelt fröhlich in den Blättern. »Klingt interessant«, denkt er. Vielleicht könnte er einen mit nach Hause nehmen. Aber er muss weiter — die Sonne sinkt schon tief, und der Wald wird dunkler.
Am Bachufer trifft Björn einen Igel. Mit der Schnauze gräbt er eine halbe Erdbeere unter einem Blatt hervor. »Darf ich?« fragt der Igel, und schon teilt er sie mit Björn. Beide essen schmatzend nebeneinander, während die Sonne langsam hinter den hohen Bäumen versinkt und den Wald in goldenes Licht taucht.
Die Sonne taucht den Wald in warmes Orangegelb. Der Igel wedelt mit den Stacheln und zeigt mit der Pfote auf eine kleine Höhle hinter einem Moospolster. »Komm!« scheint er zu rufen. Björn folgt neugierig, die Ohren gespitzt, und schlüpft vorsichtig hinein — er darf ja nicht allein bleiben.
Dort drinnen leuchten hunderte winzige Glühwürmchen in leuchtend grünem Licht. Sie beginnen zu fliegen, wie ein Sternenhimmel unter der Erde. Björn und der Igel starren mit weit aufgerissenen Augen. Das ist das Schönste, das er je gesehen hat. Er möchte es für immer behalten, doch die Sterne rufen ihn nach draußen.
Björn, der Hase, das Eichhörnchen und der Igel hüpfen und springen durch das schimmernde Grün. Die ersten Sterne erscheinen am Himmel, und in der Ferne hört Björn einen sanften, vertrauten Ruf. »Mama!« ruft er zurück, und seine Pfoten bewegen sich schneller. Die Freunde folgen ihm durch die Dämmerung.
Mama kommt durch den Wald gelaufen. Sie umarmt Björn fest, und er drückt sich gegen ihren warmen Pelz. Die drei neuen Freunde winken vom Bachrand. »Ich habe neue Freunde gefunden«, denkt er glücklich, während er zu Mama hinaufsieht und lächelt — der Wald war gar nicht so unheimlich, ganz im Gegenteil.
Björn lächelt und folgt Mama durch den dunklen Wald. Hinter ihnen leuchten die Glühwürmchen weiter, und die Sterne blinken herab. Der kleine Bär geht mit stolzem Schritt. Der Wald ist voller Freunde, und das weiß er jetzt — für immer. Jeder Farn, jeder Stein, jeder Baum ist ein Freund.