Lea zieht an der schweren Kettenklingel der Dorfkirche. Die Glocke summt tief, aber die Tür bleibt geschlossen.
Sie drückt ihre Nase an die kalten Steine und flüstert: "Jesus?" Nur der Wind antwortet.
Auf dem Marktplatz fragt sie den Bäcker, der mit mehlbedeckten Händen ein Brot aus dem Ofen holt.
"Nicht heute, Kleines," sagt er und reicht ihr das harte Brötchen. Lea nimmt es und läuft weiter.
Frau Maria, die Karotten zieht, lächelt und reicht Lea eine große Wurzel.
Lea beißt hinein – es knuspert laut –, aber ihr Brotbeutel bleibt immer noch schwer leer.
Am Abend bricht Lea ihr letztes Brotstück in zwei Hälften und streckt die eine Hälfte einem Kind entgegen.
Die Sonne taucht das Gesicht des Kindes in goldenes Licht. Lea blinzelt — und sieht etwas Unerwartetes.
Sie sieht, wie die Bäckerin einem älteren Mann ein Brot reicht, wie Frau Maria einem Kaninchen Futter hinlegt, wie ein Nachbar einem anderen Kind einen Ball zurückgibt.
Lea steht auf, ihr leerer Beutel klappert leise, und sie lächelt jedem im Dorf zu.
Jedes Mal, wenn jemand hilfsbereit ist, flüstert der Wind leise: "Danke." Ein winziger goldener Schimmer tanzt auf ihren Handflächen.
Lea läuft nach Hause, der Wind flüstert ihrem Namen zu, und das Gold bleibt auf ihren Händen.