Max zog seine roten Gummistiefel an und lief los. Nach dem Regen hatte sich die tiefste Pfütze des Viertels genau vor seinem Haus gebildet. Er blieb stehen und starrte auf das spiegelglatte Wasser.
Das Wasser spiegelte die ganze Straße wie ein dunkles Gesicht wider. Max hielt inne und betrachtete die glatte Oberfläche. Kein Wellengang, kein Rauschen – nur Stille und Reflexion.
Max stampfte los. Die Pfütze spritzte ihm bis an die Knie. Erst eine Seite, dann die andere – Wasser floß über die roten Stiefelkanten.
Dann kreiste er im Kreis – doch er fand nichts. Nur Schlamm und ein alter Reifen, halb vergraben im Schlamm. Die Pfütze schien riesig zu sein. Vielleicht war er nicht tief genug?
Er machte einen noch größeren Sprung. Das Wasser schwappte über die Stiefelkanten. Da glitzerte es am Grund – etwas Rechteckiges, in Silber und Blau, halb vergraben.
Max hielt den Atem an und streckte die Hand aus. Seine Finger berührten das Objekt am Schlammgrund. Es fühlte sich glatt und fest an, nicht wie Stein oder Holz.
Max zog die Pfütze leer und hielt eine Pokémon-Karte zwischen den Fingern. Seltene Karte, glänzend, mit einem Drachen darauf, der fast zu fliegen schien. Seine Augen wurden weit.
Er ließ die Karte an die Sonne halten. Sie schimmerte in allen Regenbogenfarben. Max lachte leise und drehte die Karte im Licht. Ein Drache, der fast lebendig wirkte.
Max rannte zur nächsten Ecke. Leo saß auf der Mauer und warf mit einem Stein Würfel. Der Freund drehte sich um und sah die Karte. Seine Mundwinkel zuckten.
Max lachte laut auf. Die Pfütze war jetzt nur noch ein kleiner schmutziger Fleck. Aber die Karte war nicht mehr zu finden. Vielleicht war sie schon wieder irgendwo im Schlamm.