Die Kiesstraße schlängelt sich am Garten entlang, hinter dem Haus der beiden Brüder. Die Hecke steht hoch und dicht, ein grüner Wall, der den Weg einfasst. Dort, am Kies, steht ein kleiner Drahtesel mit zu großen Pedalen, still und golden im Nachmittagslicht.
Luky hechtet die Stufen hinunter und greift nach den Lenkergriffen. Seine kleinen Fersen hängen locker über die Pedale, fast nicht erreichbar. Er zählt in sich: Eins. Zwei. Los. Die Vorderradgabel federt, als er sich schwer auf das Sattelrohr setzt.
Er tritt an. Der Hinterrreifen scharrt über die Kiesel, ein raues, trockenes Kratzen. Das Rad wackelt – links, rechts, links – und die Hecke rückt näher. Luky starrt auf seine eigenen Stiefelspitzen, die am Kies scheuern, und klemmt die Beine fest.
Stopp. Die Pedale stehen still. Luky lässt die Lenker los, spreizt die Beine weit aus und starrt auf den grauen Kies vor sich. Kein Rattern mehr. Kein Rauschen. Nur das alte Gartentor, das im Wind krächzt und zuckt.
Er hebt das Rad wieder auf, die Pedale an die Seite geschwenkt. Im Kopf sieht er Leo, wie der die Straße entlangfliegt: Arme weit, Kinn gen Himmel, Haar im Nacken geweht. Leo, der nie aufhört zu treten. Luky schluckt und greift wieder nach den Griffen.
Diesmal tritt er fester, beide Beine drücken gleichmäßig. Das Vorderrad schnürt einen geraden Bogen durch den Kies. Das Gekrache wird schneller, gleichmäßiger – tick-tick-tick-tick – und am Rande des Blicks fängt die Hecke an, weich und grün zu verwischen.
Luky fliegt die Straße hinunter. Arme weit, Kopf nach hinten, Kinn über den Schultern – exakt Leos Pose. Der Kies raschelt unter den kleinen Reifen, ein trockenes Rauschen, und die ganze Hecke verwischt zu einem langen, grünen Streifen. In seinem Kopf, laut und klar: ›So bin ich auch!‹
Am Ende der Straße reißen die kleinen Reifen den Kies auf. Sand und Staubbolzen spritzen. Luky steht jetzt, die Füße auf dem warmen, rauen Kies, das Rad fest zwischen den Beinen. Er blinzelt die Nachmittagssonne an. Die Arme halten noch eine Sekunde weiter oben, bevor sie langsam sinken.