Die ersten Sonnenstrahlen berühren die blaue Fassade der kleinen Schule und wecken die hölzernen Fenster eines nach dem anderen. Der Hof ist grün und weit, noch ist niemand zu sehen – nur ein kleiner, einzelner Vogel, der auf der steinernen Mauerkante landet. Die Luft ist frisch und riecht nach frisch geschnittenem Gras, und die grauen Fliesen glänzen im kalten Licht, das noch nicht ganz aus der Nacht erwacht ist. Alles ist still, als würde die Schule darauf warten, dass jemand die Tür öffnet.
Zammame steht vor der blauen Tür, ihre Krallen zerdrücken den Sandwich so sehr, dass er zwischen ihren Pfoten verbogen wird. Plötzlich strömt aus dem Spalt das Lärmen der Kinder hervor – Pfeifen, Gelächter, ein Schuh, der gegen die Wand prallt und einen hallenden Schlag gibt. Sie wickelt ihren Schwanz um ihre Beine und tritt einen Schritt zurück, ihre Nase ragt von hinten aus dem verbogenen Brot hervor. »Was ist das für ein Lärm?«
Zammame rennt über den grünen Hof bis ans Ende, wo eine alte Holzbank mit grauen Platten steht. Sie versteckt sich dahinter, ihre Ohren stoßen an die Rückseite. Das Holz ist rauh und kalt auf ihrem Rücken, sie macht sich kleiner und drückt ihre Nase gegen die Ritze zwischen den Platten. Ihre großen Augen schauen nur noch mit einer einzigen hervor, der Rest ist im Schatten verschwunden.
Aus der schmalen Ritze zwischen den zwei Bankplatten funkelt Zammmames großes Auge im dunklen Schatten. Das raue Holz drückt an ihre Wange, und ihr rechtes Ohr ist zwischen den Platten eingeklemmt wie ein zusammengefaltetes Blatt. Sie macht keinen Laut, atmet langsam, und ihre Nase bleibt still. Direkt hinter ihr, auf dem Gras, kreuzt sich ein längerer Schatten mit ihrem – der Schatten eines Sitzenden, der sich nicht bewegt.
Das kleine Häschen war schon seit einem Moment auf dem Gras, löste geduldig mit seinen Pfötchen die Folie von seinem Sandwich. Seine langen Ohren schwangen bei jeder Bewegung, und Brotkrümel verstreuten sich um es herum wie kleine Sterne. Die Stille zwischen ihnen fiel auf das Gras wie leise Wassertropfen. Zammame hielt den Atem an, ihr Schwang war noch immer um ihre Beine gewickelt.
Das kleine Häschen hebt den Kopf und sieht Zammame, die sich hinter den Platten versteckt. Es knabbert an der Ecke seines Sandwiches und schiebt dann ein Stück ihr hinüber. »Hast du Hunger?« Ein lockeres Brotkrümel fällt auf das Gras. Zammame streckt den Hals und greift das warme Stück, und das ferne Lärmen wird zum leisen Flüstern, das kaum noch hinter ihnen zu hören ist.
Zammame öffnet ihr eigenes Sandwich – das sie den ganzen Weg lang so stark gedrückt hatte, dass es seine Form verloren hat. Die Füllung hat sich ausgebreitet und ist zu einer dünnen, klebrigen Schicht geworden, die im Morgenlicht glänzt. Sie blickt lange darauf, dann auf das kleine Häschen, das mit breitem, mit Krümeln gefülltem Mund lächelt. Langsam reicht sie ihm ein Stück von ihrem flachen Sandwich.
Das kleine Häschen beißt in das Stück und sagt mit großer Ernsthaftigkeit: »Besser als meins!« Zammame hebt ihr rechtes Ohr. Das Häschen schluckt und schiebt seine Pfötchen hinter den Rücken. Sie setzen sich nebeneinander auf den Boden, ihre Füße genau eine Nasenlänge voneinander entfernt. Die Stille kehrt zurück, aber diesmal anders – schwerer, sanfter.
Zammame lehnt sich gegen das alte Holz der Bank, und die Morgenstrahlen treffen auf ihre Knie und wärmen das grüne Gras um sie herum. Sie rollt eine dünne Graspflanze zu einem feinen Faden und steckt ihn sich hinter das Ohr wie ein geheimes Schmuckstück. Sie blickt sich um – auf das Gras, auf das Holz, auf den Himmel über ihnen – und sagt leise: »Das ist heute mein Lieblingsplatz.«
Das kleine Häschen lacht – ein kurzes, überraschtes Lachen, wie ein Tropfen, der auf Glas fällt. Ein Brotkrümel glänzt auf seiner Nase im goldenen Morgenlicht. Zammame verbirgt ihr Lächeln hinter ihrem eingewickelten Schwanz, nur ihre Ohren wackeln. Die Sonne kriecht über die Mauer und gießt ihr Licht auf die Holzplatte, die vor einer Stunde noch kalt war und nun unter beiden warm geworden ist.







