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Omas Geschichtenbeutel

Guest

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Omas Geschichtenbeutel

von Guest · Aquarell · Alter 3–5 · 10 Seiten

Der Regen trommelt heftig am Fenster. Der kleine Junge klettert in ihren Schoß. Sie greift unter ihr Tuch und zieht den ausgefransten Stoffbeutel hervor – ein leises, trockenes Rascheln.

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Der Regen trommelt heftig am Fenster. Der kleine Junge klettert in ihren Schoß. Sie greift unter ihr Tuch und zieht den ausgefransten Stoffbeutel hervor – ein leises, trockenes Rascheln.

„Heute Abend verschenkt ein Bauer alles", sagt sie und reißt den Beutel auf. Der Dampf aus der Milch wickelt sich dünn und wellig zwischen ihnen auf.

Sie lässt ihre Stimme tief und langsam werden. Der Bauer schöpft Wasser für eine durstige Ziege, zerreißt seine einzige warme Fladenbrot für einen zitternden Reisenden.

Er wickelt einen Vogel mit gebrochenem Flügel in ein Stück altes Tuch. Drei Fremde. Drei leere Hände. Drei Lebewohl in die Dunkelheit.

„Aber was kriegt er DAFÜR?" – Der Junge platzt heraus, greift nach einer Ecke ihres Tuchs und zupft daran. Sie tippt zweimal scharf auf den Stoffbeutel.

„Der Sturm nimmt ihm sein ganzes Feld", flüstert sie. Der Regen am Fenster wird vom Trommeln zum Brüllen.

Und dann – die Ziege knabbert an seinem Knöchel, die Hand des Reisenden legt sich auf seine Schulter, der Vogel lässt eine Schnur vom First herab. Alle drei ziehen seine Ernte aus dem schwarzen Wasser.

Der Junge schnappt so laut nach Luft, dass seine Milch über den Rand schwappt. Er starrt sie an, die Augen weit offen, der wellige Dampf wickelt sich noch immer zwischen ihnen auf.

Sie tippt den Stoffbeutel zu. Der Junge drückt seine kleine flache Hand an das beschlagene Fenster. Sein Atem malt eine wackelige Wolke auf das Glas.

„Noch eine", sagt er leise. Draußen flackert das Dorflicht durch den Nieselregen an. Er rührt sich nicht von ihrem Schoß.