Doodara

Klein, aber mutig

S. Motta

Über diese Geschichte

Klein, aber mutig

von S. Motta · Aquarell · Alter 6–9 · 8 Seiten

Pipoca zieht das an der Wäscheleine hängende Laken an sich, doch der Sturm reißt den Stoff aus ihren Pfötchen und wickelt ihn um den Drahtzaun. Da schneidet ein feines Miauen durch den Sturm – so hoch und scharf, dass Pipocas Ohren ganz von allein aufspringen.

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Pipoca zieht das an der Wäscheleine hängende Laken an sich, doch der Sturm reißt den Stoff aus ihren Pfötchen und wickelt ihn um den Drahtzaun. Da schneidet ein feines Miauen durch den Sturm – so hoch und scharf, dass Pipocas Ohren ganz von allein aufspringen.

Pipoca findet das Katzenbaby zusammengerollt unter einem krummen Plastikeimer, die kleinen Krallchen klammern am Rand fest. Der Wind schiebt eine Glasflasche über den Boden: tum, tum, tum.

Pipoca klettert auf einen hohen Baumstumpf, drückt ihre Vorderpfoten in das rutschige Moos und heult so laut, wie es ihr kleines Kehlen hergibt – AUU! AUU! AUU! – dreimal hintereinander.

Das Katzenbaby verstummt. Seine kleinen schwarzen Augen gehen auf wie zwei glänzende Münzchen im Regen, und es streckt seinen Hals ganz langsam in Richtung des Baumstumpfs.

Das Katzenbaby rennt davon – den falschen Weg – direkt zur offenen Zisterne, und Pipoca wirft sich davor, vier Pfötchen fest im Schlamme, ein winziges weiß-cremefarbenes Pünktchen mitten im Sturm.

Der Regen macht eine Sekunde still – eine seltsame Stille – und in dieser Leere schneidet Pipocas leise Stimme sauber hindurch: „HIER! Spring auf mich!" Das Katzenbaby blinzelt schnell, zweimal.

Es blickt zur Zisterne, dann zu Pipoca, und lässt sich sanft in ihre Arme fallen. In der Hundehütte murmelt das Katzenbaby tief und warm, auf einem alten Besen, der jetzt ein Bettchen ist.

Pipoca sitzt an der Tür, noch tropft Wasser von ihrer Nase, der Schwanz klopft leise gegen das Holz. Das Katzenbaby legt sein Kinnchen auf Pipocas Pfote; der Schwanz klopft noch einmal.