Der Gehweg brennt unter ihren Schuhen. Amira steht ganz still und starrt auf die Tür des Kunstraums. Vom Tor aus schien sie so nah. Jetzt nicht mehr.
Ihre Finger graben in den Karton. KRACH. Die Buntstiftschachtel platzt an der Naht. Amira lässt sie im Staub aufklappen.
Tür. Schuhe. Wieder die Tür. Ein gelber, verknoteter Schal hakt sich in ihrem Ärmel und zieht. Amira erstarrt mitten im Schritt.
„Setz dich hier hin." Das Mädchen mit dem gelben Schal zieht Amiras Hand zum Maltisch. Amiras Zehen ballen sich im warmen Gras. Sie folgt.
Fichtenspäne rollen sich zu winzigen goldenen Spiralen auf dem Tisch. Der Raum riecht scharf und süß. Amira lässt sich in den Stuhl fallen und packt einen grünen Buntstift.
Eins. Zwei. Drei. Vier. Amira kritzelt wackelige lachende Gesichter über die ganze Seite – jedes ein schiefes Kringel mit einer Zahnlücke im Grinsen.
Das letzte kippt zur Seite, ein Auge ist größer als das andere. Amira schnieft. „Das lacht!", sagt das Mädchen und tippt mit einem buntstiftverschmierten Finger auf die Seite.
Blau. Grün. Orange. Amira malt jeden Millimeter der Seite an. In der winzigen Ecke trägt das letzte lachende Gesicht einen krakelig gezeichneten gelben Schal.
Amira starrt auf den kleinen Schal. Dann öffnet sie den Mund weit, und ein lautes, schnaubendes Lachen lässt die Buntstifte auf dem Tisch zittern.
KLANG-KLANG-KLANG. Amira hält ihre Seite voller grinsender Gesichter hoch und winkt. Die zerdrückte Schachtel steckt unter einem Arm. Durch das Fenster schlängelt sich der lange Gehweg immer noch am Garten vorbei.






